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Kategorie: Filmbeschreibung
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El olivo

Tragikomödie| Deutschland, Spanien 2016 | 98 Minuten |
Regie: Icíar Bollaín
Mit: Anna Castillo, Javier Gutiérrez

Äste, die die Welt bedeuten. Um ihren Opa zu retten, versucht Alma (Anna Castillo) einen zweitausend Jahre alten Olivenbaum wiederzufinden: Engagierte Kapitalismuskritik mediterranée, unter der Regie von Icíar Bollaín.

Da saß Alma (Anna Castillo) irgendwo in Spanien am uralten Olivenbaum und ließ sich vom Opa Geschichten erzählen. Er zeigte ihr, wie man aus einem jungen Zweig einen Steckling macht, der selbst einmal Oliven tragen wird. Und sie schmiegte sich an die jahrtausendealte eisengraue Rinde, schaute hinauf in den hohen Sommerhimmel und träumte. Aber das war in den Neunzigern, bevor Papa geldgierig wurde. Bevor er den Baum mit riesigen Baumaschinen ausgraben ließ und ihn für 30.000 Euro verkaufte, obwohl Opa verzweifelt protestierte „Der Baum gehört uns nicht! Der steht seit 2000 Jahren da!“ Seitdem spricht Opa nicht mehr. Und Alma ist zu einer widerspenstigen jungen Frau herangewachsen, die gern saufen geht und mit Unbekannten Sex hat. Sie arbeitet in einer Hühnerfabrik, wo sie jeden Morgen die in der Nacht krepierten Hendln einsammeln muss. Um sich von der Trübsal des Jungseins in der Wirtschaftskrise abzulenken, spielt sie ihrem Lieblingsonkel (Javier Gutiérrez) Telefonstreiche.

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Opa geht es inzwischen wirklich schlecht, er hat neuerdings nicht nur das Reden, sondern auch das Essen aufgegeben. Alma weiß, dass es nur eine Möglichkeit gibt, ihn zu retten: wenn sie den Baum zurückbringt, den Papa damals verkauft hat. Viele Nachbarn haben damals ihre Olivenbäume verkauft – als prestigeträchtige Dekorationsobjekte erzielten die Bäume hohe Preise, doch die meisten haben den Transport nicht überlebt. Doch Alma gelingt es, ihren Baum zu finden: Er steht in Düsseldorf, im gläsernen Foyer eines deutschen Energieunternehmens, das ihn als Logo verwendet. Egal, Alma will ihn zurückholen. Und überzeugt, irgendwie, ihren Onkel und ihren besten Freund Rafa (Pep Ambròs), übers Wochenende illegal einen Sattelschlepper auszuleihen und nach Deutschland zu fahren. Unterstützung kommt von unerwarteter Seite: Deutsche Umweltaktivisten erfahren von ihrem Vorhaben und starten eine Social Media-Kampagne.

Nach Und dann der Regen über den Krieg ums Trinkwasser in Bolivien hat Ken Loachs Haus- und Hofdrehbuchautor Paul Laverty für seine Partnerin, die spanische Regisseurin Icíar Bollain, erneut ein brisantes politisches Thema gefunden: El Olivo – Der Olivenbaum ist eine zärtliche Familiengeschichte und zugleich flammende Kapitalismuskritik. Und es ist der erste Kinofilm einer ganz fantastischen jungen Schauspielerin: Anna Castillo als die punkige, großmäulige und großherzige Alma ist eine echte Entdeckung und hat das Zeug zur nächsten Penélope Cruz: Unbedingt sehenswert!